Sinnergie

Rohkost im Winter

Lebendige, naturbelassene Kost passt auch in die kalte Jahreszeit – wenn ich auf Wärmendes setze und meinen Körper dabei spüre. Wie ich Rohkost im Winter für mich gestalte, ohne zu frieren.

Winterliches Wurzelgemüse und Kräuter auf einem Holztisch

Bewusst leben · Ernährung

Lebendige Kost auch in der kalten Jahreszeit

Viele glauben, Rohkost sei nur etwas für den Sommer. Lange dachte ich das auch – bis ich gemerkt habe, dass es weniger darum geht, ob ich roh esse, sondern was ich wähle. Frische, unerhitzte Lebensmittel bewahren ihre Vitamine, Enzyme und ihre ganze Lebendigkeit, weil die Hitze des Kochens ihnen nichts davon nimmt. Genau das schätze ich – das ganze Jahr über.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin werden Lebensmittel nach ihrer Thermik geordnet: von kühlend bis wärmend. Im Winter braucht mein Körper mehr Yang, mehr innere Wärme. Das heißt für mich nicht, auf Rohkost zu verzichten, sondern bewusst zu Wärmendem zu greifen – zu erdendem Wurzelgemüse, kräftigen Winterkräutern und wärmenden Gewürzen. So bleibt meine Ernährung lebendig und trägt mich trotzdem warm durch den Winter.

Wärmendes Wurzelgemüse

Was im Winter unter der Erde wächst, ist nach TCM erdend, nährend und von Natur aus wärmender als zarte Sommerkost. Gerade Wurzelgemüse lässt sich wunderbar roh genießen – fein gehobelt, geraspelt oder als Carpaccio mit gutem Öl:

  • Süßkartoffeln – dünn gehobelt überraschend mild und süß
  • Möhren – geraspelt mit etwas Zitrone und Ingwer
  • Sellerie – aromatisch und sättigend, fein geschnitten
  • Rote Bete – erdig, mineralstoffreich, leuchtend
  • Kohl – als feiner Rohkostsalat, gut durchgeknetet

Winterkräuter & Nüsse

Auch im Winter wächst Grünes – man muss nur wissen, wonach man schaut. Diese heimischen Wildkräuter sind erstaunlich protein- und mineralstoffreich und bringen frisches Grün in die dunkle Jahreszeit:

  • Winterportulak – mild, saftig, voller Vitamin C
  • Vogelmiere – zart und vitaminreich
  • Gundermann – würzig, sparsam dosieren
  • Brombeerblätter – mineralstoffreich, auch als Tee
  • Taubnessel – mild, fein im Salat

Nüsse und Saaten sind für mich die wärmende, sättigende Basis: Mandeln, Cashews, Kürbis- und Sonnenblumenkerne. Mandeln weiche ich gern über Nacht in Wasser ein – sie sind danach nicht mehr so trocken, werden weicher und für mich einfach viel schmackhafter. Beim Einweichen erwacht der Samen aus seiner Keimruhe, das Enzym Phytase wird aktiv und baut einen Teil der Phytinsäure ab. Wie wirksam das bei Nüssen wirklich ist, wird unter Fachleuten durchaus diskutiert – mir geht es vor allem um Geschmack und Bekömmlichkeit, und da spüre ich den Unterschied deutlich.

Im Winter eher meiden

Zwei Dinge lasse ich in der kalten Jahreszeit bewusst weg – nicht aus Strenge, sondern weil ich gemerkt habe, dass sie mir dann nicht guttun. Trockenfrüchte entziehen dem Körper Wasser; sie machen mich eher trocken und durstig statt genährt. Und Südfrüchte wie Orangen, Bananen oder Ananas wirken nach TCM stark kühlend. Im Süden, wo sie wachsen und die Sonne brennt, ergibt das vollkommen Sinn – dort kühlen sie angenehm. In unserem kalten Klima und mitten im Winter ziehen sie mir dagegen eher die Wärme aus dem Körper. Ich genieße sie wieder, wenn die Sonne höher steht.

Lebendig essen heißt nicht, zu frieren – es heißt, das Wärmende der Jahreszeit zu wählen.
Daria Czarlinska

Für mich ist Rohkost im Winter kein Verzicht, sondern ein achtsames Hinhören: Was tut mir jetzt gut, was wärmt mich, womit fühle ich mich genährt? Ich höre auf meinen Körper, statt einer Regel zu folgen – und genau das macht das Essen für mich so lebendig.

Dieser Text gibt meine persönlichen Erfahrungen wieder und ersetzt keine ärztliche oder ernährungsmedizinische Beratung.

Im Gespräch weiterdenken

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